Jungtieraufzucht

1 Woche vor dem Werfen

Falls vorhanden, wird die Häsin in einen Wurfstall umgesetzt oder eine Wurfbox, Wurfrahmen wird in den Stall gesetzt. Dies soll verhindern, dass sich der Wurf im Stall zu sehr im Stall verteilt. Dabei können Jungtiere sich im Stall verlieren, werden nicht züchterisch erfasst, können erfrieren, werden nicht richtig gesäugt und können sterben. Ebenso ist zu achten, der Häsin genügend Platz zu geben. Zu kleine Stallungen bedeuten zu wenig Rückzugsmöglichkeiten für die Häsin, während der säugenden Phase. Hinzu kommt noch, das eine Vermehrungen an Keimen schneller entsteht. Auch zu kleine Wurfboxen / Wurfabteile oder Ställe haben den Nachteil das beim säugen die Gefahr besteht, dass die Häsin auf Grund von zu wenig Platz, ihre eigenen Jungen zu tote Tritt. Zudem wird der Stall vorher nochmals entmistet und gereinigt. Außerdem sollte genügend Stroh für den Nestbau bereitgestellt werden. Somit hat die Häsin genügend Zeit sich an den neuen Stall zu gewöhnen.

 

2 Tage vor dem Werfen

Etwa 2 Tage vor dem Werfen beginnt die Häsin mit dem Nestbau. Hierbei produziert sie ein Hormon, dass das ausrupften von Wolle (meistens das Brustfell oder vom Unterbauch) begünstigt, umso ein Nest aus Stroh und Wolle, in einer im Eck geschaffenen Mulde, zu bauen. Falls eine Häsin ihr Nest nicht im geplanten Wurfabteil / Wurfbox oder Wurfrahmen baut, kann dieses versetzt werden. Meist akzeptiert sie den neuen Standort für ihr Nest.

 

Am Tag des Werfens

Kurz vor dem Werfen ist schon zu bemerken, dass die Häsin nicht mehr ihre Menge an Futter zu sich nimmt. Nach dem Werfen wird eine erste Nestkontrolle durchgeführt. Hierbei ist es besser, die Häsin vom Nest / Stall zu entfernen, um in Ruhe die Nestkontrolle durchführen zu können, bedeutet auch weniger Stress für die Häsin. Bei der Nestkontrolle wird das aus Hasenwolle gebaute Nest, mit frisch gewaschenen Händen (nur Wasser ohne Seife! Fremdgerüche) leicht geöffnet und alle Jungtiere und tot geworfenen schriftlich erfasst. Alle tot geworfenen oder nicht lebensfähige Jungtiere werden entfernt. Bis zu 3 Tage nach dem Werfen, hat der Züchter die Chance, die Tiere zu verammen. Hierbei können einzelne Jungtiere, sowie auch ganze Würfe zu einer zeitgleich geworfenen Häsin, ins Nest gelegt werden. Ab nun ist zu achten, dass für die säugende Häsin genügend Wasser bereitsteht und das Futter umgestellt wird, um eine ausreichende Milchleistung zu gewähren. Eine gute Milchleistung ist für eine erfolgreiche Jungtieraufzucht maßgebend.

 

Die nächsten Tage

Beim Füttern oder Kontrollgang im Stall ist nun stets auf unangenehme Gerüche zu achten (leichter Verwesungsgeruch)! Dies ist ein Zeichen für nachträglich verstorbene Jungtiere. Diese müssen sofort entfernt werden. Im schlimmsten Fall, kann dieser Geruch auf die anderen im Nest liegenenden Jungtiere übergehen und die Häsin nimmt das Nest nicht mehr an und stellt das Säugen ein. Um der Häsin nicht zu viel Unruhe ins Nest zu bringen, sollte nur nach Bedarf eine Nestkontrolle durchgeführt werden. Eine tägliche Kontrolle ist überflüssig und Stress für Jungtier und Häsin.

 

Tag 10 bis 12

In dieser Zeit öffnen die Jungtiere Ihre Augen. Hierbei sollte auf verklebte und geschlossene Augen geachtet werden. Diese sollten mit Wasser/ Spucke gereinigt und durch leichtes auseinanderziehen der Lider geöffnet werden. Geschieht das nicht, können die Jungtiere an den nicht geöffnetem Auge erblinden. Mittlerweile bekamen die Jungtiere auch ihr Fell, dadurch wird es in ihrem Nest zu warm und es bleibt ein Stück aufgedeckt. In dieser Zeit kann schon eine kleine Hand voll weiches und kleines stenegliges Heu über die Öffnung gestreut werden.

 

Spätestens nach 3 Wochen

Die Jungtiere beginnen mit zu fressen. Ab jetzt sollte das Futter langsam umgestellt werden auf Aufzuchtfutter. Bei leichtem Durchfall haben sich kernige Haferflocken sehr bewährt. Ebenso sollte ausreichend frisches Wasser sowie Heu gefüttert werden. Fütterung mit Nassfutter oder Brot ist kein Aufzuchtfutter und verursacht Durchfall! Dies sollte auch in den nächsten Wochen / Monaten noch nicht gefüttert werden. Wer seiner Häsin was gutes Tun will, sollte ihr gesondert die Leckereien geben. Die Jungtiere werden immer lebhafter, darum Vorsicht beim öffnen der Stalltür! Spätestens ab jetzt sollte der Stall wöchentlich gemistet werden.

 

Von der 6-8 Woche

In dieser Zeit sollten die Jungtiere von Ihrer Mutter abgesetzt werden. Dabei wird die Häsin vom Wurf entfernt und erhält einen separaten Stall. Die Umstellung ist für die Jungtiere mit Stress verbunden. Deswegen ist in dieser kritischen Phase besonders auf Durchfall zu achten. Dem Wurf ist eine abgemessene Menge an Aufzuchtfutter zu geben, die täglich komplett weggefressen werden sollte. Wie schon erwähnt sind frisches Wasser und Heu das A und O für gesunde Tiere. Vorbeugend gegen Durchfall können zusätzlich Haferflocken gegeben oder auch ein paar Spritzer Apfelessig ins Wasser gemischt werden. Wenn Jungtiere bei der Fütterung in einer Ecke sitzen, nicht zum Futternapf laufen, schon mit den Zähnen knirschen, dann handelt es sich meist um Interkolitis. Man kann versuchen dem erkrankten Tier durch zuflössen von Elektrolyd zu helfen, dies ist aber nicht immer mit Erfolg gekrönt. Am besten ist es erkrankte Tiere von den gesunden Jungtieren zu entfernen und den Stall zu entmisten, umso eine Ansteckung zu verringern. Nach der 6 Wochen können die Jungtiere auch tätowiert werden. Bei vielen Rassen, besonders bei Zeichnungsrassen, kann schon selektiert werden. Wer plant Absetztiere zu verkaufen oder Zuchttiere/ Masttiere zu trennen, kann dies schon ab jetzt tun.

 

Von der 8-10 Woche

Bei größeren Würfen ist es ratsam, die Anzahl der im Käfig verbliebenen Tiere nochmals zu splitten auf Zweiergruppen oder Einzeltiere.

 

Ab der 12 Woche

Es ist ratsam Zweiergruppen ab nun auch getrennt zu sperren. Die Jungtiere sind nun schon halbwüchsig, jedoch sollte weiterhin auf gefütterte Menge des Futters geachtet werden. Es gilt nach wie vor, ist der Napf nicht komplett leer gefressen, sollte dies beobachtet und auf Durchfall oder andere Krankheitszeichen, wie Zähneknirschen geachtet werden. Die Fütterung kann in den nächsten Monaten langsam auf Zuchtfutter umgestellt werden. Nassfutter kann zu Beginn in Maßen gefüttert werden, überschüssiges Nassfutter was nicht gegessen wird am besten bevor es welkt entfernen.

 

Für eine gute Aufzucht von Jungtieren sind frisches Wasser und Heu das wichtigste. Ebenso ist Hygiene das A und O. Während der ersten 8 – 10 Wochen sollte wöchentlich gemistet werden und am besten bei Stallwechsel der Stall anschließend desinfiziert werden. Außerdem sollte ein Stall immer ausreichend groß für die jeweiligen Bedürfnisse der Kaninchen sein. Gewisse Standartgrößen für bestimmte Rassen sind Vorschrift. Hierzu gibt es auch beschriebene Richtlinien jeweiliger Rassen vom ZDRK rausgegeben, die ich sehr rate einzuhalten! Wer auf das Wohl seiner Tiere achtet erzielt gesunde Tiere.

 

Dies ist nur eine Empfehlung unsererseits für die Aufzucht von Jungtieren, die sich im Laufe der Jahre für unsere Aufzucht sehr bewährt hat. Natürlich hat jeder schon andere Erfahrungen gemacht, aber dies ist nur als kleine Zusammenfassung und als kleine Anleitung oder für neue Anreize gedacht.

 

Benjamin Sczepurek

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