Jungtierverammung

1. Bedeutung

Darunter ist zu verstehen, dass die Jungtiere einer Zuchthäsin, der es nicht möglich ist, genügend Milch für ihre Jungtiere bereit zu stellen, einer Amme, sprich einer anderen Zuchthäsin, unterzulegen.

2. Gründe

– zu schwache Milchleistung des Muttertiers

– zu hohe Anzahl der Jungtiere

– Krankheit oder Tod des Muttertiers

3. Voraussetzung

Vorneweg sollte man sagen, dass es immer sinnvoll ist mehrere Zuchthäsinnen gleichzeitig zu belegen. Ob es jetzt nur zwei oder zwanzig Zuchthäsinnen sind ist nicht maßgebend, wichtig ist nur sich die Möglichkeit der Verammung, durch stark unterschiedliche Decktermine, nicht entgehen zu lassen. Im Optimalfall sollte für die Verammung immer eine Häsin verwendet werden, die einen ruhigen Charakter aufweist und deren Milchleistung sehr gut ist. Eine Erstlingshäsin sollte hierzu nicht unbedingt in Betracht gezogen werden. Die Erfahrung in den letzten Jahren, hat mir gezeigt, dass ein Umsetzen nach der Geburt in einem Zeitfenster von drei Tagen, am besten funktioniert.

4. Vorbereitungen

Wie sonst auch wird der Stall für die Jungtiere vorbereitet (Wurfbox, Wurfabteil, frisches Stroh bzw. Streu). Zum Wurftermin der Jungtiere wird eine genaue Nestkontrolle durchgeführt und gleichzeitig die Wurfdaten dokumentiert (Anzahl der Jungtiere, lebend und tot geborene Jungtiere sowie die Elterntiere). Nach der Nestkontrolle oder in den nächsten drei Tagen, zeigt sich ob Gründe für die Verammung (Punkt 2) vorliegen. Nachdem man sich für die Anzahl der zu verammenden Jungtiere entschieden hat, wählt man für die Umsetzung der Jungtiere am besten die Fütterungszeit. Man selbst sollte vorweg seine Hände gründlich mit reinem Wasser reinigen um keine fremden Gerüche ins Nest zu bringen (z. B. Seife, Parfum, Creme etc.). Hierzu hilft es auch etwas Nestwolle zu entnehmen und zwischen den Fingern zu reiben.

5. Die Verammung

Während der Fütterung werden die Jungtiere und die Häsinnen aus beiden betroffenen Nestern getrennt. Das Nest in welches die Jungtiere untergelegt werden sollen wird vorsichtig geöffnet und man baut eine Mulde ein. Danach werden die zu verammenden Jungtiere einzeln aus ihrem Nest entnommen und von jeglicher Nestwolle befreit. Ebenso werden die Jungtiere kurz kalt geblasen. Anschließend werden sie in das bereits geöffnete Nest in die Mulde gelegt. Da sie durch das kurze kalt blasen an Temperatur verloren haben, versuchen sich die Jungtiere schnellstmöglich im neuen Nest durch Reibung zu erwärmen. Zusätzliche Reibung entsteht, da sich die bereits vorhandenen Jungtiere im Nest durch die neuen Gerüche und die neue Ordnung, merklich bewegen und aufschreien. Nachdem mit allen zu verammenden Jungtieren so verfahren wurde, wird anschließend das Nest geschlossen. Man sollte den Jungtieren nun etwa 1 – 2 Stunden Zeit geben, damit sie sich beruhigen, und die neuen Jungtiere den neuen Geruch aufnehmen und sich wieder erwärmen. Erst wenn keinerlei große Aufruhr im Nest mehr stattfindet kann die Häsin wieder zu ihren Jungtieren gesetzt werden.

6. Markierung

Um sie untergesetzten Jungtiere zu erkennen, sollte man etwas Tätofarbe in das Ohr geben. Hierbei ist zu beachten, dass erst bei trockner Tinte, die Jungtiere in das neue Nest gelegt werden sollten (fremder Geruch). Eine Markierung durch Filzstift oder ähnlichem würde ich abraten, da das Elterntier diese durch ablecken schnell wieder entfernt. Wer unterschiedliche Farbschläge züchtet kann dies zur Unterscheidung nutzen. Ebenso bei Zeichnungsrassen sind bestimmte Merkmale bereits vorhanden und können so vermerkt werden. Es sollte bei der Verammung immer auf eine genaue Aufzeichnung geachtet werden, um die Jungtiere unterscheiden zu können.

7. Zusammenfassung

Damit eine Verammung bestmöglich gelingt sind folgende Punkte entscheidend:

1. mehrere Häsinnen mit gleichem Wurftermin belegen

2. eine genaue Nestkontrolle

3. genauer Istbestand unbedingt dokumentieren

4. Auswahl der passenden Amme (Wesen, Milchleistung und Aufzuchtverhalten)

5. sauberes und zügiges arbeiten beim Umsetzen.

 

Benjamin Sczepurek

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